Persönliche Stellungnahme zum "Nein" aus Rom

Die Frage, ob homosexuelle Paare gesegnet werden dürfen, taucht in der katholischen Kirche immer wieder auf. Der Vatikan stellte seine Haltung dazu in seinem Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre klar. Die Reaktionen darauf - geteilt. Auch im Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart regt sich Widerstand.

Illustration Regenbogenfahne Wasserfarben

Rottenburg/Stuttgart - Persönliche Stellungnahme zum Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts

„Auf das vorgelegte Dubium: Hat die Kirche die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen?
wird geantwortet: Nein.“

So beginnt die römische Verlautbarung, die in mehrere Sprachen übersetzt vorliegt und restriktive Vorgaben macht. Die Begründung dieser Ablehnung ist inhaltlich und im Sprachstil schwer nachzuvollziehen.

Bestürzt und betroffen

„Wir sind bestürzt und betroffen über den Inhalt des „Responsum ad dubium“. Wir können nicht akzeptieren, dass eine Segnung von Beziehungen homosexueller Menschen den „Plänen Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben sind“ widerspricht, und solidarisieren uns mit allen, denen daran liegt, unsere Kirche auf die jesuanische Botschaft immer wieder neu auszurichten."

Alle Menschen sind nach Gottes Ebenbild geschaffen. Jeder Mensch ist damit objektiv Ausdruck der geoffenbarten Pläne Gottes, auch in homosexuellen Beziehungen lebende Menschen. Sie alle gehören zum Schöpfungswerk Gottes.

Gott ist die Liebe

Gott ist die Liebe. Die zwischen den Menschen gelebte Liebe ist ein ganzheitliches Geschehen, sie darf nicht allein auf die sexuelle Praxis reduziert werden. Wenn in liebevollen homosexuellen Beziehungen lebenden Menschen ein Segen verweigert wird, muss dies sie und alle ihnen nahestehenden Menschen zutiefst verletzen. All diesen Menschen gilt unser aufrichtiges Mitgefühl. Die Verweigerung eines Segens widerspricht dem kirchlichen Auftrag, gelebte Liebe unter allen Menschen zu fördern.

Zudem führen Verbote nicht weiter, sie spalten eher und ersetzen keine Argumente. Es ist zu befürchten, dass das römische Schreiben auch in Zusammenhang mit den momentanen Ereignissen im Erzbistum Köln dazu beiträgt, weiter Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wir hoffen aber, dass die Mühe aller, die in der Pastoral verantwortlich sind, sich weiterhin mutig positionieren und daran mitwirken, im Sinne des letzten Konzils die Zeichen der Zeit zu deuten und sie im Lichte der Frohen Botschaft zu verstehen.

Forderung: kirchliche Lehre ändern

"Wir fordern daher, die kirchliche Lehre in dieser entscheidenden Frage zu ändern. Gelebte Liebe ist in ihren vielfältigen Ausdrucksformen umfassend anzuerkennen und durch Segnungen öffentlich und in würdiger Form zu bekräftigen."
 

Dr. Johannes Warmbrunn
Sprecher des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart
Martin Stöffelmaier
Sprecher des Priesterrats Rottenburg-Stuttgart
Veronika Rais-Wehrstein
Beisitzerin des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart