Strukturelle Missbrauchsursachen brauchen Antwort

Diözesanratssprecher fordert veränderte Machtstrukturen in der Kirche.

Aus Anlass der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz hat Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart, neben achtsamem Umgang mit den Missbrauchsopfern und Prävention auch neue Machtstrukturen in der Kirche gefordert.

Bereits im März 2010, so Warmbrunn, also unmittelbar nach Bekanntwerden des Missbrauchs in der katholischen Kirche, hatte der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart öffentlich gefordert, sich den Opfern einfühlsam zuzuwenden, sie in der Aufklärung der Missbrauchsfälle tatkräftig zu unterstützen und ihnen zu helfen, ihr Leid zu ertragen. Auch jetzt, nach den ersten Mitteilungen aus der Studie bleibe diese Forderung aktuell und es seien weitere Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. „Ein besonderes Augenmerk gilt der Prävention. Wir müssen weiter alles Menschenmögliche tun, damit kirchliche Einrichtungen zum missbrauchsfreien Raum werden und das auch bleiben“, erklärte Warmbrunn. Die Einrichtung der Kommission sexueller Missbrauch und der Stabstelle Prävention Kinder- und Jugendschutz durch Bischof Gebhard Fürst sei hervorragend. „Wir müssen aber auch über Kirchenstrukturen sprechen, wenn es um den Missbrauch im kirchlichen Umfeld geht“, betont der Sprecher des diözesanen Katholikenrats, und weiter: „Partizipation ist für die Kirche von größter Bedeutung.“

Papst Franziskus habe nicht umsonst unlängst die aktive Teilhabe aller eingefordert, anstatt auf kleine Eliten zu setzen. Klerikalismus habe der Papst zu Recht als „anomale Verständnisweise von Autorität in der Kirche“ bezeichnet. Warmbrunn erklärte: „Ein geistliches Amt darf keinesfalls zu überhöhten Machtpositionen führen, aus der heraus Schwächere missbraucht, Abhängigkeiten geschaffen, Transparenz verhindert und Schweigekartelle entstehen können. Spirituelle Machtgefälle sind so keinen Deut besser oder edler als andere. Und um es klar zu sagen: Allein die – an sich wünschenswerte – Weihe verheirateter Männer würde uns nicht weiterhelfen, wenn Weihe und Macht nicht klarer voneinander getrennt werden.“

Warmbrunn weiter: „Die Konzentration von immer mehr Leitungsaufgaben und Verantwortung auf immer weniger Priester sollte gestoppt und die Rollen der Laien und ehrenamtlich Engagierten auch mit Blick auf Leitungsaufgaben stärker profiliert werden. Wir wollen geteilte Verantwortung auf Augenhöhe und gemeinschaftliche Leitung. Wir haben uns dafür im Diözesanrat in vielfältiger Weise eingesetzt und sind mit Bischof Gebhard Fürst in weitgehendem Einvernehmen. In der Diözesanratssitzung Ende des Monats steht das Thema nochmals auf der Agenda. Auch das gehört zu den Konsequenzen, die wir aus den bedrückenden Erkenntnissen um den Missbrauch in unserer Kirche ziehen müssen.“

Erklärung des Diözesanrats vom März 2010

Pressemitteilungen und Informationen der Diözesanleitung

Forschungsbericht zur Missbrauchsstudie und Stellungnahmen der Bischofskonferenz

Stellungnahme des Präsidenten des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK)