Papst zu Missbrauch

Als "Kultur des Todes" hat Papst Franziskus Missbrauch durch Geistliche bezeichnet.

In einem Schreiben vom 20. August hat Papst Franziskus angesichts des Missbrauchs in der Kirche zu Buße und Gebet aufgerufen.

Der Schrei der Opfer sei stärker gewesen als die Maßnahmen derer, die Missbrauch totschweigen wollten, und Gott habe ihn gehört. "Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten, der sich in so vielen Menschenleben auswirkte", schreibt der Papst. Es reiche aber nicht, sich das Vorgefallene bewusst zu machen. Vielmehr brauche es Solidarität "in ihrer tiefsten und anspruchvollsten Bedeutung ... eine Solidarität, die zum Kampf gegen jede Art von Korruption, insbesondere der spirituellen, aufruft". Von eingeleiteten Maßnahmen der Prävention und der Einführung einer Null-Toleranz-Haltung verspricht sich Papst Franziskus besseren Schutz. Jedes Kirchenmitglied müsse hier einen Beitrag leisten.

Papst Franziskus benannte neben dem sexuellen Missbrauch auch den Missbrauch von Macht und des Gewissens durch kirchliche Amtsträger. Er prangert eine "anomale Verständnisweise von Autorität" in der Kirche an, nämlich den - bei Klerikern und Laien anzutreffenden - Klerikalismus, der das Kirchenvolk generell abwerte: "Jedes Mal, wenn wir versucht haben, das Volk Gottes auszustechen, zum Schweigen zu bringen, zu übergehen oder auf kleine Eliten zu reduzieren, haben wir Gemeinschaften, Programme, theologische Entscheidungen, Spiritualitäten und Strukturen ohne Wurzeln, ohne Gedächtnis, ohne Gesicht, ohne Körper und letztendlich ohne Leben geschaffen(2). Das zeigt sich deutlich in einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche – sehr verbreitet in zahlreichen Gemeinschaften, in denen sich Verhaltensweisen des sexuellen Missbrauchs wie des Macht- und Gewissensmissbrauchs ereignet haben –, nämlich als Klerikalismus, jene Haltung, die 'nicht nur die Persönlichkeit der Christen zunichte [macht], sondern dazu [neigt], die Taufgnade zu mindern und unterzubewerten, die der Heilige Geist in das Herz unseres Volkes eingegossen hat'“. Eine christliche Kultur sei nur zu erreichen, indem die Gläubigen in die Gestaltung der Kirche einbezogen würden.

Das Schreiben des Papstes in deutscher Sprache