Neue Wege gegen Missbrauch - neue Expertengruppe Digitalisierung

Über Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie und über Digitalisierung hat der Diözesanrat beraten.

Stimmen aus dem Diözesanrat: "Wir müssen weiter alles Menschenmögliche tun, damit kirchliche Einrichtungen zum missbrauchsfreien Raum werden und das auch bleiben." - "Wir können froh sein, in einer Diözese zu leben, in der der Bischof sich so konsequent bemüht, Aufklärung herbeizuführen. Es ist jetzt an der Zeit, dass auch der Nebel über der Bischofskonferenz gelichtet wird." - "Die Männereliten der Kirche müssen aufgebrochen werden." - "Defizite gibt es beim Umgang mit den Opfern."

Aus den Empfehlungen der Forscher der Missbrauchsstudie: "Betroffene sollten, sofern sie dies wünschen, stärker in die Präventionsarbeit der katholischen Kirche eingebunden werden. Entsprechende Wünsche wurden im Rahmen der Forschungsarbeiten formuliert. Ein Einbezug von Betroffenen könnte die Präventionsarbeit inhaltlich verbessern und wirksamer gestalten und zusätzlich ein Zeichen dahingehend setzen, dass die Kirche Betroffene und deren Perspektive wirklich ernst nimmt."

Klaus Burmeister

In der Sitzung des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart am Freitag und Samstag im Kloster Schöntal berieten die gewählten Vertreter der württembergischen Katholiken unter Vorsitz von Bischof Gebhard Fürst erste Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz. Sie beschäftigten sich außerdem mit den sozialen Folgen der Digitalisierung und riefen dazu eine diözesane Expertengruppe ins Leben.


Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz
Bischof Gebhard Fürst berichtete von der aktuellen Zusage eines Missbrauchsopfers, in der seit 2002 bestehenden Kommission sexueller Missbrauch der Diözese Rottenburg-Stuttgart mitzuarbeiten. Der Bischof erklärte: „Dieses Angebot ist alles andere als selbstverständlich und verdient hohen Respekt. Ich nehme es dankbar an.“ Er sei mit der betreffenden Person schon länger im Gespräch, und sie habe bereits bei manchen Präventionsangeboten mitgearbeitet. „Die Perspektive der Betroffenen muss noch stärker in unsere Aufklärungs- und Präventionsarbeit einfließen“, so Bischof Fürst. Das entspricht einer Empfehlung der Forscher der Missbrauchsstudie.
Der Diözesanrat forderte, Laien mehr in Leitungs- und Gestaltungsaufgaben einzubinden und Verantwortung zu teilen. Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn erklärte: „Ein geistliches Amt darf keinesfalls zu überhöhten Machtpositionen führen. Jedes übergroße Machtgefälle kann Menschen in Versuchung führen, Schwächere zu missbrauchen, Abhängigkeiten zu schaffen, Transparenz zu verhindern und Schweigekartelle zu bilden. Spirituelle Machtgefälle sind keinen Deut besser oder edler als andere.“ Eine Veränderung der Machtverhältnisse in der Kirche sei notwendig. Weihe und Macht müssten klarer voneinander getrennt werden. „Mehr Partizipation der Laien an kirchlicher Verantwortung ist für die Kirche von größter Bedeutung“, betonte Warmbrunn. Kommende Woche wird der Geschäftsführende Ausschuss des Diözesanrats die konkrete Weiterarbeit an diesen Themen und die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch planen. So nannten die Delegierten als mögliche Aufgaben der Diözese, den Umgang mit den Opfern nochmals bewusster in den Blick zu nehmen, in den Aktenbeständen kirchlicher Einrichtungen aktiv nach weiteren möglichen Missbrauchsfällen zu forschen oder die Auseinandersetzung mit der kirchlichen Sexualmoral entschiedener anzugehen.

Digitalisierung
In einem weiteren Schwerpunkt hat der Diözesanrat die Einrichtung einer diözesanen Expertengruppe zur Digitalisierung empfohlen. Fachleute der Diözese aus den Bereichen Medien, Bildung, Caritas, Pastoral, Betriebsseelsorge, Jugend, IT sowie Kirche und Gesellschaft sollen zusammen mit Diözesanratsmitgliedern die inner- und außerkirchliche Auseinandersetzung mit den sozialen Folgen der Digitalisierung fördern, die kirchlichen Nutzungsmöglichkeiten untersuchen und einen ethischen Verhaltenskodex für die Diözese für die Gestaltung und Nutzung kirchlicher digitaler Präsenz entwickeln. Ein externes Institut aus dem Bereich digitaler Ethik soll die Arbeit der Expertengruppe begleiten.

Der Zukunftsforscher Klaus Burmeister vom foresightlab in Berlin ermutigte, sich als Kirche mit digitalen Entwicklungen von Industrie und Wirtschaft 4.0 bis zu digitaler Pflegeunterstützung oder pastoralen Digitalangeboten aktiv auseinanderzusetzen und die digitale Welt mitzugestalten. Bischof Gebhard Fürst betonte: „Digitalisierung ist nicht eine Frage neben anderen, sondern eine Dimension, die alle Bereiche unseres Lebens durchdringt. Es ist ein Ziel meiner Amtszeit als Bischof mitzuhelfen, dass wir als Kirche in diesem Bereich, in dem es um das Heil des Menschen geht, kompetent mitreden. Dazu brauchen wir hohen Sachverstand.“