Kirchensteuer für den sozialen Frieden

Familien, Flüchtlinge, katholische Schulen, Studierende und caritative Mitarbeiter profitieren vom Jahresüberschuss des Haushalts der Diözese Rottenburg-Stuttgart aus dem Jahr 2015. Einstimmig verabschiedeten die 100 ehrenamtlichen Diözesanratsmitglieder gemeinsam mit Bischof Gebhard Fürst und Generalvikar Clemens Stroppel die Haushalte 2017/18.

Der Diözesanrat stellte in seiner öffentlichen Haushaltssitzung vergangenen Samstag die Jahresrechnung 2015 des Diözesanhaushalts mit einem Plus von 45,2 Millionen Euro fest. Für das Jahr 2017 erwartet die Diözese Rottenburg-Stuttgart Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 520,5 Millionen Euro. Für 2018 plant sie mit 529,9 Millionen Euro. Der Finanzausschussvorsitzende Werner Krahl mahnte in seiner Haushaltsrede, mit den Einnahmen die Weichen für eine zukunftsfähig aufgestellte Kirche zu stellen.

„Angesichts der hohen Kirchensteuereinnahmen der letzten zwei Jahre starten wir keine spektakulären Aktionen, sondern führen eine solide, möglichst nachhaltige Finanzstrategie fort und investieren in die Menschen und ihre Zukunft“, erklärte Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn. Er betonte, die Verwendung des Jahresüberschusses zeige beispielhaft, dass Kirchensteuer nicht primär die katholische Kirche, sondern die ganze Gesellschaft und den sozialen Frieden stärke. Generalvikar Clemens Stroppel führte aus, dass der soziale Wohnungsbau des Siedlungswerks, das für 2016 die Schaffung von 156 Miet- und 131 Eigentumswohnungen plant, ein wichtiger Dienst an der Gesellschaft sei. Er begrüße, dass der Diözesanrat das Thema sozial verantworteten Wohnens auf seine Agenda gesetzt habe.

Verwendung Jahresüberschuss 2015
Familien stark machen
Den Überschuss aus dem Diözesanhaushalt 2015 nutzt die Diözese, um die 35 katholischen und ökumenischen Träger der Familienpflege im württembergischen Landesteil zu stabilisieren, die jährlich rund 2600 Familien mit 5600 Kindern in akuten Notsituationen versorgen. Mit 3,5 Millionen Euro aus dem Jahresüberschuss 2015 sowie mit je 500.000 Euro aus den Haushalten 2017 und 2018 flankiert der Diözesanrat die Familienpflegedienste. Er fordert gleichzeitig eine Deckung der realen Kosten der Fachkräfte durch die Kassen. Außerdem setzt die Diözese 2,5 Millionen Euro für den weiteren Ausbau von Familienzentren an Kindergartenstandorten ein. Mit einer Million Euro unterstützt sie das diözesane Familienerholungswerk. Die die 26.355 Schüler an den 93 katholischen Schulen profitieren von einer Zustiftung von 9 Millionen Euro in die Katholische Schulstiftung der Diözese. Mit gut sechs Millionen Euro saniert die Diözese das Eugen-Bolz-Studierendenwohnheim in Weingarten, in dem 146 Studierende preisgünstig und hochschulnah wohnen.

Flüchtlingen und Menschen in Kriegs- und Krisengebieten Würde geben
Insgesamt 16 Millionen Euro aus dem Jahresüberschuss 2015 investiert die Diözese in die Flüchtlingshilfe. Mit je sieben Millionen stockt sie den Fonds für inländische Flüchtlingshilfe und den Fonds für die Bekämpfung von Fluchtursachen auf. Seit der Einrichtung der Fonds im Jahr 2013 haben die Hauptabteilung Caritas rund 180 Projekte in der Diözese und die Hauptabteilung Weltkirche 58 Projekte in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und deren Nachbarregionen, insgesamt in 28 Ländern, gefördert. Weitere zwei Millionen Euro stehen erstmals für Baumaßnahmen bereit, um Flüchtlinge in kirchlichen Gebäuden unterzubringen.

Pflegearbeit attraktiv machen
Die Zusatzversorgung der caritativen Mitarbeiter hat die Diözese mit weiteren 7 Millionen Euro in der Rücklage für die Gewährträgerhaftung abgesichert.

Ursachen der hohen Einnahmen
Dass die Diözese das Jahr 2015 mit einem so großen Plus abgeschlossen hat, resultiert nach Aussage des Haushaltsreferenten, Finanzdirektor Dietmar Krauß, aus den unerwartet hohen Kirchensteuereinnahmen. Hier kommt der Kirche auch der Zuzug katholischer Arbeitnehmer aus dem Ausland zugute. Auch dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart bei der Kirchensteuerbereinigung zwischen den Diözesen, dem sogenannten Clearing, weniger Kirchensteuern abführen musste als erwartet, schlage zu Buche. Diese Bereinigung erfolgt, weil die Kirchensteuer über den Arbeitgeber erhoben wird, aber der Diözese zusteht, in der die Beschäftigten ihren Wohnsitz haben. Außerdem habe das Bischöfliche Ordinariat sparsam gewirtschaftet und 11,9 Millionen Euro eingespart. Die Verantwortlichen dankten ausdrücklich allen Kirchensteuerzahlern.

Für schlechtere Jahre vorsorgen
Für die Jahre 2017 und 2018 geht die Diözese Rottenburg-Stuttgart von einem moderaten Zuwachs der Kirchensteuer um 1,5 Prozent aus. Der Scheitelpunkt der hohen Steuereinnahmen sei erreicht, so die Einschätzung des Finanzausschusses und des Bischöflichen Ordinariats Rottenburg-Stuttgart. Der stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses Willy Braun erklärte: „Finanzausschuss und Ordinariat müssen jetzt Szenarien und Konzeptionen erarbeiten, wie wir unserem kirchlichen Auftrag und unseren langfristigen Verpflichtungen etwa im sozialen Bereich nachkommen, wenn die demografische Entwicklung und die leider nach wie vor rückläufigen Mitgliederzahlen uns zu mittelfristig Reduzierungen zwingen.“ Weiterhin ausgeglichene Haushalte zu verabschieden und Vorbild zu bleiben, indem die Diözese unbefristete Arbeitsverhältnisse eingehe, bleibe entschiedenes Ziel des Diözesanrats. Die genutzten Finanzinstrumente Haushalt, Fonds, Rücklagen in Kombination mit einem Risikomanagement bilde eine gute Grundlage für eine vorausschauende, flexible Haushaltsgestaltung.

 

Pressestatements und Informationen

Jahresbericht "Fakten und Facetten - Finanzen, Statistik und Jahresrechnung" 2015