Katholischer Spagat im Kommunionstreit

Die Bischöfe haben nochmals beraten und pflegen neue Transparenz.

Jetzt liegt alles auf dem Tisch: Jeder kann die Handreichung der deutschen Bischöfe zur Frage der Teilnahme evangelischer Ehepartner an der Eucharistie nachlesen - samt der kontroversen Korrespondenz, die seit dem Beschluss der Bischofskonferenz im Februar zwischen deutschen Bischöfen und zwischen Deutschland und dem Vatikan hin- und herging.

Zu dieser Veröffentlichung hat sich der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz diese Woche entschlossen und gleichzeitig mitgeteilt, Kardinal Reinhard Marx habe in einem Gespräch mit Papst Franziskus klären können, dass die Frage des Kommunionempfangs evangelischer Ehepartner eine weltkirchliche Frage darstellt und dass gleichzeitig jeder einzelne Bischof entscheiden muss, ob er in seiner Diözese die Handreichung als Orientierungshilfe übernimmt. Was fast nach einem katholischen Husarenstück klingt, bedeutet allerdings für die evangelischen Gläubigen, die einen katholischen Ehepartner haben, dass sie in der einen Diözese am Abendmahlstisch willkommen sein könnten, in der anderen nicht. Dass möglichst viele Bischöfe die Pastoral in ihren Diözesen nach der Handreichung ausrichten, wünscht sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg: "Dies ist ein Weg, die von Papst Franziskus ausdrücklich gewünschte Geschlossenheit der Kirche in Deutschland zu verwirklichen."

Sternberg lobte, dass die Bischöfe sich zur öffentlich zugänglichen "Dokumentation aller Texte dieser Kontroverse" entschlossen haben. So viel Transparenz gegenüber den Gläubigen in einer schwierigen Frage ist bisher wohl einmalig in der Geschichte der Bischofskonferenz. Immerhin trägt ein Dokument den Vermerk "Streng vertraulich".

Der Sitzung des Ständigen Rats vorausgegangen war "ein bisschen Verwirrung", wie Papst Franziskus es in einem KNA-Interview nannte, weil die deutschen Bischöfe sich untereinander in der Sache uneins waren und deswegen Anfang Mai in einem Gespräch im Vatikan aufgetragen bekamen, das Thema weiter zu diskutieren, bevor sie eine Handreichung veröffentlichen. Dies wollten sie diese Woche im Ständigen Rat tun, doch Ende Mai kam ein Brief des Präfekten der Glaubenskongregation zuerst an die Presse, dann an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx. Darin hieß es, der Papst erachte die Frage des Kommunionempfangs für evangelische Ehepartner als Angelegenheit weltkirchlicher Bedeutung. Die "zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls" seien "bereits beauftragt, eine baldige Klärung dieser Fragen auf weltkirchlicher Ebene herbeizuführen". Davon unbeirrt haben die Bischöfe sich im Ständigen Rat ihrer Verantwortung gestellt, sich weiter mit den strittigen Fragen auseinanderzusetzen: "Es ist uns wichtig, dass wir im ökumenischen Suchen zu einem vertieften Verständnis und einer noch größeren Einheit der Christen unterwegs sind, und fühlen und verpflichtet, hier mutig voranzuschreiten."