Kampf gegen Missbrauch fortführen

Diözesanrat empfiehlt dem Bischof weitere Maßnahmen zur Aufarbeitung und Verhinderung von Missbrauch in der Kirche.

Intensiv beraten die 120 Delegierten, welche Maßnahmen den Kampf der Diözese gegen Missbrauch noch wirksamer machen kann.
Die externen Beraterinnen steuern ihre Expertise zu der komplexen Materie bei - wichtig, um die Perspektiven der Betroffenen richtig zu verstehen oder Maßnahmen zutreffend zuzuschneiden.
Viele Diözesanratsmitglieder melden sich zu Wort, hier der Laienvertreter des Dekanats Schwäbisch Hall, Josef Keiner, und Wolfgang Schmitt vom Priesterrat.
Bischof Dr. Gebhard Fürst versprach, die Empfehlungen, deren Formulierung angesichts der knappen Zeit nicht feingeschliffen werden konnte, im Sinne des Diözesanrats weiterzubehandeln.

Einen Maßnahmenkatalog zur weiteren Verbesserung der Aufklärung und Verhinderung von Missbrauch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat der Diözesanrat bei seiner Sitzung am 29./30. März 2019 im Kloster Schöntal seinem Vorsitzenden Bischof Gebhard Fürst empfohlen. Vier externe Beobachterinnen und Beobachter gaben fachliche Hinweise und eine direkte Rückmeldung auf die Vorschläge.

24 Einzelmaßnahmen zu sieben Themenfeldern haben die rund 120 Delegierten erarbeitet und dem Bischof zur Umsetzung empfohlen. An erster Stelle steht eine stärkere Berücksichtigung der Betroffenen-Perspektive. So soll ein diözesaner Betroffenenbeirat eingerichtet werden, den der Bischof regelmäßig anhört. Bei einer unabhängigen Facheinrichtung sollen sich Betroffene über rechtliche Schritte informieren können, ohne automatisch ein kirchliches oder staatliches Untersuchungsverfahren in Gang zu setzen. Außerdem sollen die Möglichkeiten, Missbrauchsfälle zu melden, noch niederschwelliger werden.

Der Diözesanrat unterstützte die kürzlich von Bischof Gebhard Fürst geäußerte Absicht, in der diözesanen Kommission sexueller Missbrauch (KsM) das Stimmrecht auf die ehrenamtlichen Mitglieder zu beschränken. Außerdem empfahlen die Delegierten, eine externe Beratungsfachkraft mit Stimmrecht in die Kommission zu berufen.

Ein besonderes Augenmerk legte der Diözesanrat auf das kirchliche Personal. Dessen Rolle bei Verdachtsfällen soll die Diözese nach dem Willen der Katholikenvertretung klären und durch Information und Fortbildung stärken. Gleichzeitig soll größte Sorgfalt auf die Auswahl, Ausbildung und Begleitung im pastoralen Dienst verwendet werden, insbesondere bei den Priestern. Für Priester aus anderen Kulturkreisen sollen die Verantwortlichen im bischöflichen Ordinariat Maßnahmen der kultursensiblen Begleitung entwickeln. Außerdem soll nach dem Willen der Katholikenvertreter auf allen kirchlichen Ebenen ein Beschwerdemanagement installiert werden, um eine Kultur direkter und zeitnaher Problemanzeigen zu stärken. In einer der nächsten Sitzungen plant der Diözesanrat eine weiterführende Auseinandersetzung „mit dem Themenfeld geistliche Macht und spiritueller Missbrauch“. Unter anderem durch Qualifizierungsmaßnahmen für das Führungspersonal und einen Ausbau der Beratungskapazität will der Diözesanrat die Präventionsarbeit in der Diözese stärken.

Anders als bei Finanzfragen haben die Katholikenvertreter in pastoralen Fragen nur Beratungsrecht. Bischof Gebhard Fürst versicherte jedoch, die Empfehlungen im Sinne des Diözesanrats weiter zu konkretisieren, einzelne Maßnahmen zeitnah voranzubringen und dem Diözesanrat über die Fortschritte transparent Bericht zu erstatten. Der Bischof betonte, er sei dankbar „für die offene und kompetente Beratung dieser schwierigen Themen“. Ausdrücklich dankte er den externen Beraterinnen Kerstin Claus vom Betroffenenrat der Bundesregierung, Julia Gebrande, Professorin für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen und frühere Wildwasser-Mitarbeiterin, Miriam Rassenhofer, Professorin am Kompetenzzentrum Kinderschutz der Universitätsklinik Ulm sowie Rechtsanwalt Holger Rothbauer aus Tübingen.

Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn erklärte, die Bedürfnisse und Bedarfe der Betroffenen müssten bei allen Maßnahmen an erster Stelle berücksichtigt werden. „Gleichzeitig muss unsere Kirche Teilhabe an Macht und Leitungsverantwortung ermöglichen, ein echtes Miteinander von Frauen und Männern und aller Gläubigen mit oder ohne Weiheamt.“ Die kirchlichen Strukturen dürften einem Machtmissbrauch nicht länger Vorschub leisten. „Wie im öffentlichen Leben muss Macht in ihren vielfältigen Formen konsequent kontrolliert und, wo erforderlich, auch eingeschränkt werden“, so Warmbrunn.

Die Empfehlungen des Diözesanrats
Kunstinstallation "Ecce Homo" von Diözesanrat Bernhard Göser

Veranstaltungshinweise:
Studientag der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen 6. Juni 2019
"Sexualisierte Gewalt in der Kirche. Zur Verantwortung theologischer Konzepte und deren Verantwortung"
Tagungen des Präventionsnetzwerkes und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart Hohenheim
Öffentliche Fachtagung am 1. Juli 2019
Erstes "Diözesanes Präventionsforum" für alle Präventionsakteure in Dekanaten, Kirchengemeinden und Einrichtungen am 2. Juli 2019

Mehr zum Thema Missbrauch und Prävention in der Kirche