Frauen streiken für ihre Kirche

Die Protestaktion Maria 2.0 bewerten die Sprecher der Diözesanen Räte als Protest für die Kirche, nicht gegen sie.

Den Glauben feiern und leben - aber anders, Nachfolge leben - aber ganz, das wollen die katholischen Frauen mit ihren Protestaktionen.

Der Aufruf von fünf Münsteraner Katholikinnen, ab morgen eine Woche lang mit einem sogenannten Kirchenstreik ein gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen in der Kirche einzufordern, ist auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf ein breites Echo gestoßen. Über 40 Veranstaltungen zu dieser „Maria 2.0“ genannten Aktion sind angekündigt, darunter viele Gottesdienste vor der Kirchentür, aber auch eine Protest-Wallfahrt, Filmabende oder alternative Sitzungen.

Nachdem auch der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart sich seit Jahren für ein gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen in der Kirche einsetzt, haben sich Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn und Priesterratssprecher Paul Magino in einer Pressemitteilung zu der Aktion Maria 2.0 geäußert.

„Frauen tragen einen gewaltigen Anteil der Arbeit in der Kirche, im diakonischen Bereich, aber auch in den gewählten Gremien und nicht zuletzt auf Grund des Priestermangels auch in der Liturgie. Strukturell stehen sie jedoch nach wie vor in der zweiten Reihe. Wenn Katholikinnen jetzt zeichenhaft für neue Strukturen protestieren, geht es nicht einfach um Gleichberechtigung, sondern um das Evangelium Jesu. Die Frauen wollen voll und ganz die Nachfolge leben und Jesus Christus mit seiner Liebe und Gottesnähe vollumfänglich verkünden. Sie protestieren für die Kirche, nicht gegen sie. Das müssen auch die Verantwortlichen in der Kirche ernst nehmen“, betonte Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn. Wenn traditionalistische Kreise wie das Forum deutscher Katholiken die Proteste als kirchenfeindlich verurteilten, sei dies kurzsichtig. Sie hätten nicht verstanden, dass sich die Frauen, die etwa im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) seit über 100 Jahren auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart treu am Kirchenleben teilnähmen und den Glauben förderten, sich mit Kreativität und Hartnäckigkeit im Gegenteil für Kirche und Glauben einsetzten. „Das erinnert mich sogar an Jesus selbst, der immer wieder mit unkonventionellen Taten und Vergleichen den Menschen Gottes Liebe nahe zu bringen versuchte“, erklärte Warmbrunn.

„Ich halte die Protestaktion der Frauen für nachvollziehbar und richtig“, erklärte auch der Sprecher des Priesterrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Esslinger Dekan Paul Magino. „Wer die schreckliche Mahnung des Missbrauchsskandals nicht hört, die Machtstrukturen in der Kirche neu zu ordnen, versündigt sich. Der Ruf so vieler katholischer Gläubigen, Frauen und Verheirateten den Zugang zu den Ämtern zu öffnen, ist jahrzehntelang ungehört verhallt.“ Indem sie mit der Aktion Maria 2.0 Zeichen setzten, übernähmen die Frauen Verantwortung für ihre Kirche. „Auch wenn die Aktion Kirchenstreik genannt wird, streiken die Frauen nicht einfach, sondern sind in unkonventioneller Form aktiv für ihre Mitmenschen und für die Verkündigung des Glaubens. Das finde ich bezeichnend für unsere Katholikinnen. Sie wollen sich ganz einbringen, aber ihre eigene Kirche hindert sie daran. Das kann so nicht mehr bleiben“, ist Paul Magino überzeugt.