Ermutigend und realitätsnah

Bei ihrem ersten Blick in das päpstliche Schreiben zur Familiensynode "Amoris laetitia" entdeckten Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn und Priesterratssprecher Paul Magino Bemerkenswertes. „Das sind für mich starke Worte; ich freue mich darauf, dass sie mit Leben gefüllt werden“, betont Warmbrunn.

„Der Blick des Papstes in diesem abschließenden Schreiben zur Familiensynode erscheint mir grundlegend positiv, ermutigend und gleichzeitig realitätsnah“, so eine erste Einschätzung des Diözesanratssprechers Johannes Warmbrunn. Es sei bemerkenswert, dass der Papst das Papier als „Vorschlag für die christlichen Familien“ (5) bezeichne und regional unterschiedliche Vorgehensweisen ermutige, stellt Paul Magino fest. Damit gebe er der Verantwortung der Ortskirche und der einzelne Gläubigen einen wichtigen Stellenwert ganz im Sinne des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen.

Eindrücklich findet Johannes Warmbrunn, „dass Papst Franziskus in seiner biblischen Grundlegung nicht nur die heilen Familienbilder der Bibel anführt, sondern auch die ‚Ängste und Spannungen der Familien‘ (21) und dass er den Individualismus kritisiert, der es schwer macht, ‚sich einem Anderen großzügig und ganz und gar zu schenken‘. Das Gespür für die großen Zusammenhänge ist weithin verloren gegangen. Selbstbezogenheit führt letztlich zur Verkümmerung und Verarmung, die allenfalls eine reduzierte Entfaltung der sich im Leben bietenden Möglichkeiten zulässt. Das ist auch meine Wahrnehmung.“ Paul Magino erklärte, Papst Franziskus traue familiären Beziehungen viel zu und betrachte sie als dynamische Prozesse. Dies sei ein zeitgemäßer Ansatz, der auf positive Entwicklungen setze.

Wiederverheiratete Geschiedene
Dass Franziskus die Situation der wiederverheiratet Geschiedenen nicht per Lehramt neu regele oder Ehepartner anderer Konfession die Teilnahme an der Kommunion nicht einfach öffne, sei im Sinne der Verantwortung vor dem Gewissen folgerichtig, könne aber auf den ersten Blick Betroffene ebenso enttäuschen wie Priester, die sich ein klare Regelung erhofft hatten. Allerdings müssten hier die detaillierten Ausführungen des Papstes noch sorgfältig betrachtet werden, so Warmbrunn. Der Papst betrachte die möglichen Ursachen von Trennungen differenziert und betone ausdrücklich, kirchliche Normen seien „keine Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft“ (305). Das ist laut Warmbrunn „ein deutlicher Hinweis, dass wir von gespaltenen Sichtweisen wegkommen müssen, die nur zwischen Gut und Böse unterscheiden. Gefragt ist vielmehr eine sensible und sorgfältig abgewogene, vor allem aber die Situation im Einzelfall berücksichtigende Umgangs- und Handlungsweise.“

Konsequenzen für die Diözese
Der Diözesanrat und die Verantwortlichen in der Pastoral müssten sich in den kommenden Monaten in Ruhe mit den Details der päpstlichen Ausführungen zur Ehe- und Familienpastoral auseinandersetzen. Erkennbar sei jedoch, dass Papst Franziskus Beratungsergebnisse des Diözesanrats bestätige, etwa dass die Ausbildung des Pastoralen Personals hinsichtlich der eigenen Auseinandersetzung mit Sexualität und Beziehung sowie seiner Kompetenzen in der Familienpastoral verbessert werden muss. Auch den Ausbau einer begleitenden und befähigenden Pastoral für Paare und Familien oder eine bessere Vermittlung des kirchlichen Eheverständnisses fordern sowohl der Papst als auch unser Diözesanrat. „Wichtig scheint mir, dass Papst Franziskus nicht einfach die heutigen Entwicklungen von Paarbeziehungen kritisiert, etwa unverbindliche Kurzzeitverbindungen oder eine romantische Überhöhung von Liebesbeziehungen. Vielmehr verwendet er viel Sorgfalt auf die Darlegung, was Ehe ist und warum sie eine auf Lebenszeit angelegte Beziehung ist“, betonte Priesterratssprecher Paul Magino. Das könne ein Fundus für eine ermutigende und orientierende Familienpastoral sein.

Soziale Stärkung der Familien weiter notwendig
Nicht zuletzt die hohe Bedeutung, die der Papst den wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen für Familien gebe, bestärke den Diözesanrat, sich weiterhin aktiv für soziale Gerechtigkeit und die Stärkung von Familien einzusetzen. „Wir haben bereits vereinbart, das Thema Ehe und Familie unter verschiedenen Gesichtspunkten der Seelsorge und der sozialen Konsequenzen wie etwa der Generationengerechtigkeit und der Altersarmut in der neu begonnenen Amtsperiode weiterzubehandeln. In der nächsten Sitzung am 3. und 4. Juni im Kloster Schöntal werden wir uns ein erstes Mal über das päpstliche Schreiben austauschen. Dabei werden wir der Empfehlung des Papstes nachkommen und unsere Beratungen geduldig und bedacht führen. Gleichzeitig werden wir aber Schritt für Schritt immer auch konkrete Verbesserungen für Paare und Familien ins Auge fassen. Wir stimmen Papst Franziskus zu: ‚Das Wohl der Familie ist entscheidend für die Zukunft der Welt und der Kirche.‘“, erklärte Johannes Warmbrunn.

Pressemitteilung des Bischofs

Pressemitteilung des Katholischen Deutschen Frauenbunds

Pressemitteilung des BDKJ