Ein "Skandal"

Die Landeshauptstadt soll keinen Platz für Rüstungsmessen bieten, fordert der Diözesanrat.

Archivbild vom Beitritt des Diözesanrats zur "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!" 2012

Die Vertreter der württembergischen Katholiken am 3. März 2018 in der Diskussion.

Dr. Oliver Müller, Leiter von Caritas international, informierte den Diözesanrat über wachsende Gewaltpotentiale weltweit, über Fluchtbewegungen und die Möglichkeiten und Erfolge kirchlicher Hilfsorganisationen. Die Sitzung bot Gelegenheit zum Austausch mit dem Vertreter der evangelischen Landessynode Ulrich Hirsch, der bis zum Sommer Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Werks der evangelischen Kirche war.

Norbert Brüderl vom Diözesanausschuss Eine Welt diskutiert mit Diözesanratskollegen. "Mehr als 60 Länder sind bei der ITEC repräsentiert, mehr als 2.500 Teilnehmer werden erwartet. Gerade hier müssen wir als Christen sichtbar und hörbar für das Leben eintreten, für zivile Krisenprävention, für Verständigung, für Frieden und Versöhnung", sagte er bei der Vorstellung des Erklärungsentwurfs.

Mit einer öffentlichen Erklärung hat sich der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart gegen die Ausrichtung von Rüstungsmessen in Stuttgart ausgesprochen. Anlass ist die internationale Militär- und Waffentechnikmesse ITEC, die vom 15. bis 17.Mai in der Landesmesse Stuttgart stattfindet, nachdem vor vier Jahren in Köln die Proteste zu groß wurden

"Wir sehen in dieser Messe einen Beitrag zur Schaffung von Fluchtursachen, zur Anwendung von Gewalt in Konflikten sowie zum Missbrauch von Ressourcen, die für Bildung und Entwicklung dringend notwendig wären", heißt es in der Stellungnahme, die die Katholikenvertretung in seiner Sitzung am 3. März im Kloster Schöntal verabschiedet hat. Die ITEC-Veranstalter werben mit dem hohen Anteil von militärischen Einkäufern und Entscheidungsträgern von Schwellenmärkten unter den Besuchern, so der Diözesanrat unter Berufung auf die ITEC-Website. Es sei ein Skandal, dass die Landesmesse Stuttgart der internationalen Waffenlobby eine Plattform biete. Die deutschen Bischöfe hätten schon im Jahr 2000 vor den fatalen Folgen immer perfekter werdender Waffensysteme gewarnt, wie sie auf der ITEC angeboten werden. Deshalb fordert der Diözesanrat, "vom Aufsichtsrat der Landesmesse Stuttgart, insbesondere von den Vertretern des Landes Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt, unsere Landesmesse nicht für die ITEC oder andere Rüstungs- und Waffenmessen zur Verfügung zu stellen".

Die ITEC sei eine umfassende, weltweit wahrgenommene Präsentation von Militärtechnologie, die Methoden für effizienteres Töten und kostengünstigere Waffenkonstruktion und -produktion bewerbe, erklärte Norbert Brüderl vom Diözesanausschuss Eine Welt. „Gerade hier müssen wir als Christen sichtbar und hörbar für das Leben eintreten, für zivile Krisenprävention, für Verständigung, für Frieden und Versöhnung“, so Brüderl.

Oliver Müller, Leiter von Caritas international, informierte den Diözesanrat über wachsende Gewaltpotentiale weltweit, über Fluchtbewegungen und die Möglichkeiten und Erfolge kirchlicher Hilfsorganisationen. Beispiele aus Bangladesch und aus dem Nahen Osten zeigten, dass Zugang zu Bildung die Friedensfähigkeit von Menschen mit Gewalterfahrung fördere. Caritas international trage erfolgreich zum interreligiösen Dialog bei, gerade weil das Hilfswerk sich auf das Neutralitätsgebot verpflichte, Menschen unabhängig von ihrer Religion zu helfen, und so religionsübergreifende Werte vermittle.

Der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart ist Mitglied im Aktionsbündnis "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!"