Diözesanrat stellt Forderungen beim Thema Pflege

Der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart beschäftigte sich in der letzten Sitzung mit der Zukunft der Pflegearbeit in Baden-Württemberg und fordert politische Reformschritte.

Wichtige Themen, gute Gespräche und rege Diskussionen - aber auch Spaß - standen bei der 15. Diözesanratssitzung der derzeit amtierenden Katholikenvertretung auf der Agenda.
Zum Schwerpunktthema der Sitzung "Die Zukunft der Pflegearbeit in Baden-Württemberg", stand den Mitgliedern des Diözesanrats ein Infotisch zur Verfügung.
In sechs Workshops wurde das Thema der Pflegearbeit aus unterschiedlichen Perspektiven erarbeitet.
Die Mitglieder des Diözesanrats lernen im Rahmen des Vortrags der Behindertenpastoral das Beten in Gebärdensprache.
Die Referenten der Behindertenpastoral: (v.l.) Monika Schaufler (Seelsorgerin Sehbehinderung und Blindheit), Erika Scheurer (Seelsorgerin Hörbehinderung), Ute Augustyniak Dürr (Ordinariatsrätin HA IX Schulen), Michael Buck (Diözesancaritasverband und betroffener Vater), Tobias Haas (Seelsorger bei Menschen mit Behinderung) und Johannes Hofmann (zuständiger Referent HA IV)

Die Sitzung des Diözesanrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart am vergangenen Wochenende war geprägt von sozialpolitischen Themen. Die Zukunft der Pflegearbeit in Baden-Württemberg stand dabei im Mittelpunkt der öffentlichen Sitzung im Bildungszentrum Untermarchtal. Das Gremium forderte in Sachen Pflegearbeit deutliche Reformschritte und setzte sich zudem mit der Behinderten- und Seniorenpastoral auseinander. 

Reformbedarf in der Pflegearbeit

Neben einem offenen Gespräch zum synodalen Weg, das aufgrund seiner Aktualität auch bei der Diözesanratssitzung nicht fehlen durfte, schenkte das oberste gewählte Priester- und Laiengremium der Diözese der Pflegearbeit verstärkt seine Aufmerksamkeit. Die Relevanz des Themas liegt in dem bereits bestehenden akuten Personal- und Fachkräftemangel, der sich vor dem Hintergrund der Altersentwicklung deutlich verschärfen wird. So wächst in Baden-Württemberg derzeit die Gruppe der Menschen mit Pflegebedarf immer stärker, während zugleich die Gruppe derer, die Pflege und Unterstützung leisten können, stetig kleiner wird. „Dieses Problem haben wir erkannt und uns mit den Herausforderungen intensiv befasst“, erklärt Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn. „Uns ist dieses Thema sehr wichtig, nicht allein wegen der konstant hohen Nachfrage unserer Sozialstationen, Nachbarschaftshilfen und ehrenamtlichen Besuchsdienste. Uns geht es darum, dass die Botschaft unseres Glaubens im Handeln der Einrichtungen konkret Wirklichkeit wird.“

Neben der finanziellen und personellen Stärkung der vorhandenen Einrichtungen und Dienste, fordert der Diözesanrat aber vor allem auch von der Politik deutliche Reformschritte im Bereich der Pflegearbeit. Dabei soll zum einen für eine zukunftsorientierte Pflege, Leistungen der Pflegeversicherung wohnformunabhängig erbracht werden. Zum anderen sei auch eine sozialräumliche Pflegeinfrastruktur unter Abstimmung mit den Kommunen zu fördern. Weiter fordert der Diözesanrat die Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen und ihrer Familien auf einen leistbaren Beitrag zu begrenzen. Das Gremium positioniert sich klar gegen den bestehenden Rationalisierungsdruck in der Pflege und setzt sich für mehr Raum der ganzheitlichen Pflege ein. Auch steht der Rat für tariftreue Einrichtungen, verbesserte Arbeitsbedingungen für Live-in-Pflegekräfte sowie für den Bedarf neuer Konzepte zur Entlastung pflegender Angehöriger. „Es ist Aufgabe unserer Kirche hierfür einzustehen und das konkret von der Politik zu fordern“, betont Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp.

Inklusion: Vielfaltsgemeinschaft steht im Vordergrund

Eindrucksvoll wurde an diesem Wochenende auch die Behindertenpastoral von Referenten der Diözese vorgestellt. So nimmt nicht nur die Zahl der Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen nachweislich zu, sondern steige in der Konsequenz auch die Notwendigkeit entsprechender Hilfe. „Angefangen bei baulichen Maßnahmen, Systemen der einfacheren Informationsverarbeitung bis hin zu Büchern in leichter Sprache oder auch einfach nur den Möglichkeiten zur Übernahme von Verantwortung in Pfarrgemeinderäten“, erklärt Warmbrunn. „Doch die Unterstützung oder Hilfe allein, ist nicht die Lösung. Auch – oder vor allem eine Gesellschaft, in der Inklusion kein Fremdwort ist, gilt es zu stärken.“ Auch die klare Botschaft der Referenten lautete, dass eine Rampe allein nicht ausreicht. Jeder von uns sollte den betroffenen Menschen vor allem mit einem offenen Herzen begegnen. „Wir sind froh und stolz, dass wir verschiedenste Seelsorger haben, die genau das unterstützen und eine hervorragende Arbeit leisten“, betont auch Bischof Gebhard Fürst.

Demografischer Wandel prägt Seniorenpastoral

Zum Abschluss der zweitägigen Sitzung stand die Neupositionierung der Seniorenpastoral auf der Agenda. Die Notwendigkeit dafür belegen Zahlen und Fakten des demografischen Wandels. Mehr als ein Drittel der in der Diözese lebenden Katholiken ist bereits über 60 Jahre alt. Um das Quartier für ältere Menschen lebenswert zu gestalten, bedarf es beispielsweise offener Begegnungsorte, sodass soziale und kulturelle Teilhabe ermöglicht wird. Kirchen können mit ihren Gemeindezentren einen wichtigen Beitrag leisten und in Zukunft zusätzlich bei Umbauten von kirchlichen Gebäuden eine größtmögliche Barrierefreiheit schaffen. „Wir haben gerade diverse Rückbauprojekte in der Diözese am Laufen. Unser Ziel ist es aber nicht einfach nur zurückzubauen, sondern auch umzubauen. So werden wir geeignete Orte für ältere Menschen schaffen“, sagt Bischof Fürst. Dafür werde auch die Zusammenarbeit mit anderen Hauptabteilungen und Ausschüssen in Zukunft weiter intensiviert und vorangetrieben, um diesen Notwendigkeiten Folge leisten zu können.

 

Positionspapier: Zur Zukunft der Pflegearbeit in Baden-Württemberg