Bischofskonferenz hat über Missbrauch beraten

Beratungen zwischen Bischöfen und Laien zu kirchlichen Machtstrukturen, Sexualmoral und Zölibat sollen nach dem Willen der Deutschen Bischofskonferenz die Kirche verändern.

Vom 11. bis 14. März 2019 tagte die Deutsche Bischofskonferenz im Bistum Osnabrück. Mit einem Studientag und weiteren Beratungen "zu den fachlichen und den übergreifenden Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche" sowie der Nachbesprechung der Konferenz im Vatikan stellten die Bischöfe die Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen in den Mittelpunkt. Ein Ergebnis ist "ein verbindlicher synodaler Weg als Kirche in Deutschland", den die Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee deutscher Katholiken (ZdK) gestalten will und bei dem es auch um Fragen der Macht in der Kirche, des Zölibats und der Sexualmoral gehen soll. ZdK-Präsident Thomas Sternberg erklärte die Bereitschaft, "die Vorbereitung zügig voranzubringen, wenn der Wille zu wirklicher Veränderung erkennbar wird". Seinem Abschlussbericht hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx entgegen den Gepflogenheiten ein persönliches Wort vorangestellt, in dem er versichert, die Bischöfe nähmen die Anliegen sowohl der Missbrauchsbetroffenen als auch der Gläubigen wahr: "Wir haben es verstanden." Dennoch geht er davon aus, dass "nicht alle Ergebnisse unserer Beratungen" auf Verständnis stoßen werden und bittet deshalb um "Ihre Begeleitung im Gebet, um Ihre Untestützung und Ihre kritische Stimme".

Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stefan Ackermann, hat sich in einem Pressestatement geäußert. Die Referate zum Studientag „Die Frage nach der Zäsur – zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“ sind veröffentlicht:

Einführung von Prof. Dr. Julia Knop (Erfurt)
Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt
" ... Sie haben sich diese Themen nicht ausgesucht. Im Gegenteil, es handelt sich samt und sonders um Themen, die seit Jahrzehnten auffällig nicht behandelt werden. Nicht weil sie nicht aufgerufen worden wären. Sondern weil ihre Debatte in der Kirche nicht gewünscht, sogar tabuisiert war. ... Sexueller Missbrauch liegt nicht in der DNA der Kirche. Sexueller Missbrauch hat vermutlich auch nicht ursächlich mit dem Zölibat zu tun. Sexueller Missbrauch hat auch nichts damit zu tun, dass homosexuelle Männer im katholischen Klerus weit überdurchschnittlich vertreten sind. Aber was mit der DNA der Kirche zu tun hat, was tief in ihren ekklesialen Code eingeschrieben ist, ist die religiöse Aufladung von Macht, die Immunisierung kirchlicher Deutungshoheit, die Sakralisierung des Weiheamtes, die Auratisierung des Amtsträgers, die Stilisierung von Gehorsam und Hingabe, die geistliche Überhöhung der priesterlichen Lebensform, die Dämonisierung von Sexualität, die Tabuisierung von Homosexualität, die Paradoxie asexueller Männlichkeit. ..."

Vortrag von Prof. Dr. Gregor Maria Hoff (Salzburg) "Sakralisierung der Macht. Theologische Reflexionen zum katholischen Missbrauch-Komplex"
Professor für Fundamentaltheologie in Salzburg, Studium in klassischer Philologie, Theologie, Philosophie und Germanistik, Promotion und Habilitation in Fundamentaltheologie, war u. a. Obmann der Salzburger Hochschulwochen, ist Berater der Glaubenskommission (I) und der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und Konsultor der Päpstlichen Kommission für die Beziehungen zum Judentum.

Vortrag von Prof. Dr. Philipp Müller (Mainz) "Zur Zukunft der priesterlichen Lebensform"
Professor für Pastoraltheologie in Mainz, Studium in Theologie und Geschichte, Promotion, Habilitation in Pastoraltheologie und Homiletik, war u. a. Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars der Erzdiözese Freiburg in St. Peter (Schwarzwald), ist Berater der Kommission für geistliche Berufe und kirchliche Dienste (IV)

Vortrag von Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff (Freiburg) zur kirchlichen Sexuallehre
Professor für Moraltheologie in Freiburg, Studium der Theologie, Promotion und Habilitation in Moraltheologie, war u. a. Mitglied im Deutschen Ethikrat, ist Berater der Glaubenskommission (I)

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