Besuch aus Äthiopien

Äthiopien und Deutschland sind diametral unterschiedlich, doch die pastoralen Fragen ähneln sich.

Äthiopischer Kreuz-Anhänger. Die Verehrung des Kreuzes Jesu Christi spielt in dem nordafrikanischen Land seit über 1600 Jahren eine besondere Rolle.

Abba Petros Berga mit Priesterratssprecher Paul Magino (Mitte) und den Priesterratsvorständen Ludwig Hager, Albrecht Zepf und Adrian Warzecha.

Abba Petros Berga ist für die Entwicklung der Pastoral und die entsprechende Aus- und Weiterbildung der Priester in Äthiopien zuständig, einem Land, dessen Alterspyramide Kopf steht, in dem Katholiken gerade mal 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen und das sich in einem zwar langsamen, aber deutlichen Friedens- und Demokratisierungsprozess befindet. Trotz dieser Unterschiede zu Deutschland ähneln sich zentrale Herausforderungen für die Kirche, wie sich in einem Gespräch zwischen Abba Petros Berga und dem Vorstand des Priesterrats Rottenburg-Stuttgart am 4. Oktober in Rottenburg zeigte: das Christentum als starke Kraft in der Gesellschaft zu erhalten, junge Menschen an die Kirche zu binden und für den priesterlichen Dienst zu gewinnen. Die katholische und die orthodoxen Kirchen in Äthiopien ringen mit einer Abwanderung zu den Pfingstkirchen und beobachten eine islamische Missionierung aus dem Ausland. Berga setzt auf die unzertrennliche Einheit von Evangelisierung und  Diakonie: "Es reicht nicht, die Menschen mit dem Evangelium abzuspeisen." Die katholische Minderheitenkirche sei der größte Sozialträger in Äthiopien mit einem Schwerpunkt in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Sie betreibt 400 Schulen, die Kindern und Jugendlichen unabhängig von Religion und Konfession offenstehen. "Wir missionieren hier nur durch unsere Werte", erläutert Berga. Außerdem berichtete er von einem Freiwilligenjahr, das die katholische Kirche in dem nordafrikanischen Land jungen Leuten unter dem Titel "One year for Jesus" anbietet und das soziale Arbeit und gemeinsames Gebet verbindet.

Anders als in Deutschland ist die Finanzierung der Seelsorge durch die Kirchenmitglieder in Äthiopien (noch) nicht selbstverständlich. Zwar wächst die Wirtschaftskraft mancher Bevölkerungsgruppen, doch durch die Missionare, die lange Zeit im Land wirkten, entstand eine Erwartungs- und Anspruchshaltung, dass das Geld von außen komme. "Es braucht erst eine Bewusstseinsbildung, dass Pastoral Geld kostet", erklärte Abba Petros, "wir fordern die Gläubigen auf, nach ihren Möglichkeiten die Priester und das Gemeindeleben zu unterstützen." Petros Berga, der 17 Jahre in den Niederlanden studiert und gearbeitet hat und dort als Priester inkardiniert ist, hat diesen Blick mit nach Äthiopien genommen, als er vor 5 Jahren quasi in seine Heimat ausgeliehen wurde, um dort die pastorale Entwicklung voranzubringen. Daher ist auch sein Blick auf die Aktion PRIM interessant, in deren Rahmen Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart durch einen Gehaltsverzicht oder durch Spenden die Priester in Äthiopien, Eritrea, Sudan und Südsudan mit einem festen Jahreszuschuss unterstützen. Diese Verlässlichkeit mache die Priester, die größte Mühe haben, die Lebenshaltungs- und Arbeitskosten zu finanzieren, freier, sich ganz ihrem Dienst zu widmen, urteilt Berga. Und es ermutige junge Männer, in den pastoralen Dienst einzusteigen. Manche äthiopische Priester verwenden einen Teil des Zuschusses ihrer deutschen Mitbrüder, um junge Menschen in Ausbildung oder Studium oder Menschen in akuten Notsituationen zu unterstützen. "Insofern unterstützt PRIM nicht nur die Priester, sondern die ganze Kirche", sagte Petros Berga.

Zum Abschied schenkte Abba Petros seinen Mitbrüdern ein kleines Holzkreuz und erklärte, die Verehrung des Kreuzes sei in der äthiopischen Kirche sehr wichtig. Und es wäre doch schön, wenn das Kreuz die geistliche Verbindung zwischen den deutschen und den äthiopischen Priestern werden würde. "Wir arbeiten für die gleiche Kirche - mit unterschiedlichen Herausforderungen, aber mit dem gleichen Ziel", bekräftigte Abba Petros, "daher ist die Aktion PRIM eine Erfahrung wahrer katholischer [weltumspannender] Kirche!"

Wissenswertes
Die Wurzeln des Christentums reichen in Äthiopien bis ins 4. Jahrhundert zurück. Die äthiopisch-katholische Kirche ist mit der römisch-katholischen Kirche uniert und feiert ihre Liturgie nach alexandrinischem Ritus.

Aktion PRIM
Seit 1971 verzichten Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart freiweillig auf einen Teil ihres Gehalts. Von diesen Mitteln erhalten alle Diözesanpriester in Äthiopien, Eritrea, Sudan und Südsudan einen jährlichen Festbetrag zu ihrer freien Verfügung. Gleichzeitig wird jedes Jahr ein fester Betrag für jeden Priester in einer Rücklage zur Zukunftssicherung angelegt. Die Hauptabteilung Weltkirche verwaltet die Mittel, hält Kontakt zu den vier Ländern, stellt Begegnungsmöglichkeiten her und berichtet dem Priesterrat über die Entwicklungen.
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