Flüchtlinge


Wo immer Menschen leben, denen es an ... notwendigen Mitteln zu einem menschenwürdigen Leben fehlt ..., muß die christliche Hilfe sie suchen und finden, alle Sorgen für sie aufwenden, um sie zu trösten und mit tätiger Hilfe ihr Los zu erleichtern.
Diese Verpflichtung obliegt in erster Linie den einzelnen Menschen wie den Völkern, die in Wohlstand leben.

II. Vaticanum, Apostolicam Actuositatem 8



Zusammenhalt nach der Flucht

Bischof Gebhard Fürst hat in der Diözesanratssitzung im September 2016 auf die besondere Situation der katholischen chaldäischen Christen hingewiesen. Zwei Drittel, also rund eine Million chaldäische Katholiken aus dem Irak und Nachbarregionen, dem Stammland der fast 2000 Jahre alten Glaubensgemeinschaft, befinden sich auf der Flucht. In Deutschland leben derzeit rund 17.000 chaldäische Christ/innen, 5.000 davon in Baden-Württemberg, 1.500 im Raum Stuttgart. Jetzt ist die Sorge sowohl des chaldäischen Patriarchen als auch der Verantwortlichen in Stuttgart groß, dass die Gemeinschaft auseinanderfallen könnte. Fehlende Rückkehrperspektiven, die Neuorientierung in einer fremden, pluralen Kultur, aber auch Abwerbungsversuchen anderer Glaubensgemeinschaften gefährden den Zusammenhalt.

Die chaldäische Gemeinde hat nicht den Status einer muttersprachlichen Gemeinde (GKaM) wie andere Gemeinden für Katholiken anderer Nationalität. Sie untersteht dem orientalischen Kirchenrecht. Ist kein chaldäischer Bischof im Land, sind die chaldäischen Katholiken als Personalgemeinde unmittelbar dem örtlichen Bischof zugeordnet.

„Wir haben eine große Verantwortung, dass die chaldäischen Flüchtlinge bei uns kirchliche Gemeinschaft und Unterstützung erleben und ihre mitgebrachte Religiosität pflegen können. Dafür ist eine passende räumliche Ausstattung wesentlich“, sagte Bischof Fürst. Jedes Wochenende träfen sich um die 500 chaldäische Christen in Stuttgart-Rohracker von Freitagabend bis Sonntag.
Für die Sanierung des Gemeindehauses der katholischen chaldäischen Gemeinde in Stuttgart-Rohracker hat der Diözesanrat am 24. September einstimmig eine Million Euro für einen ersten Bauabschnitt freigegeben. 500.000 Euro hatte die Gemeinde dafür bereits im vergangenen Jahr erhalten, weitere 1,5 bis 2 Millionen Euro wird der zweite Bauabschnitt in den kommenden Jahren noch kosten. Der aus den 1960er Jahren stammende, dreigeschossige Gebäudekomplex erhält eine Betonsanierung, eine energetische Ertüchtigung durch Dämmung, neue Fenster und neue Elektro- und Wasserleitungen sowie Brandschutzeinrichtungen. Durch die Aufteilung in zwei Bauabschnitte sind zu jeder Zeit Räume für das Gemeindeleben nutzbar. Die chaldäische Gemeinde hat sich zu handwerklichen Eigenleistungen bereit erklärt. Für diese Größenordnung habe sich im Raum Stuttgart nur dieses sanierungsbedürftige kirchliche Gebäude gefunden. Bei einem Besuch im Februar hatte der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako der Diözese Rottenburg-Stuttgart gedankt: „Die Nächstenliebe ist hier in Taten inkarniert, nicht nur in Worten.“


Verfolgte Christen - bei uns?

Immer wieder ist von Gewalt gegen christliche Flüchtlinge auch in Deutschland zu hören. Open Doors, eine christliche Bewegung, die sich für verfolgte Christen einsetzt, hat am 11. Mai Zahlen veröffentlicht und damit für Diskussionen gesorgt. Der Chaldäerbeauftragte unserer Diözese, Klaus Barwig, schildert in einem Radio-Vatikan-Interview seine Beobachtungen und eröffnet Handlungsperspektiven.
 Radio-Vatikan-Interview mit Klaus Barwig

Der Deutschlandfunk hat sich mit dem Open-Doors-Bericht befasst.
 Beitrag Deutschlandfunk



Entschiedene Hilfe - Geschäftsbericht Flüchtlingsfonds

97 Projekte in der Flüchtlingsarbeit von Kirchengemeinden, caritativen Trägern oder kirchlich mitgetragener Gruppen haben zwischen April 2014 und Dezember 2015 knapp 7 Millionen Euro aus dem diözesanen Flüchtlingshilfefonds erhalten. Gefördert wurden beispielsweise Projekte zur zielgerichteten Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt,  die Einrichtung eines Asylcafés, die Beratung von Flüchtlingsfrauen in der Schwangerschaft oder der Aufbau nachhaltiger Strukturen zur Begleitung ehrenamtlich Engagierter durch hauptamtliche Fachkräfte. Für die Mittelvergabe im laufenden Jahr 2016 stehen aktuell noch gut 2,3 Millionen Euro zur Verfügung - zahlreiche Anträge liegen schon vor. Aus Mitteln des Fonds werden Projekte im Umfang von 1.000 bis weit über 500.000 Euro unterstützt. Bei Anträgen mit einem Volumen über 10.000 Euro entscheidet ein Gremium über die Mittelvergabe.
Geschäftsbericht „Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfen 2015“



Nachdenkliches zwischen Nächstenliebe und Fremdenangst

Die gegenwärtige Situation bewegt alle Menschen - zur Hilfsbereitschaft, zum Grübeln, zum Fürchten, zur Neugier, zu Offenheit oder Hass. Impulse aus dem christlichen Glauben, aus der Soziologie und aus der Psychologie wollen helfen, sich in unruhiger Zeit zu sammeln und zu sortieren.
Zur Sonderausgabe der Zeitschrift des Diözesanrats und Priesterrats INFORMATIONEN


Flüchtlinge: Dekanate sprechen Klartext

Fünf Dekanate haben sich in öffentlichen Stellungnahmen zur aktuellen Situation positioniert. In Freudenstadt hat sich der Dekanatsrat einstimmig hinter den Aufruf von Bischof Gebhard Fürst gestellt, den Flüchtlinge nach Kräften zu helfen. In Ludwigsburg haben die Vorsitzenden des katholischen Dekanats und der evangelischen Kirchenbezirke gemeinsam klargestellt: "Als Christen können wir gar nicht anders, als uns der Hilfesuchenden anzunehmen." Die Dekanate Balingen, Rottweil und Tuttlingen-Spaichingen erinnern daran, dass wer vom "christlichen Abendland" redet, auch den christlichen Werten der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe verpflichtet ist.
Stellungnahme Dekanat Freudenstadt
Stellungnahme Dekanat Ludwigsburg
Stellungnahme Dekanate Balingen, Rottweil, Tuttlingen-Spaichingen



Online-Portal Flüchtlingshilfe

Was tut eigentlich die katholische Kirche bei uns für die Flüchtlinge? Was sagt der Bischof zur aktuellen Lage? Tut die Kirche eigentlich etwas dafür, dass die Menschen erst gar nicht fliehen müssen? Was brauchen die Flüchtlinge jetzt am meisten? Wie können Ehrenamtliche helfen, und was erleben die Profis der Caritas? Antworten gibt das diözesane Flüchtlingshilfe-Portal.
 Online-Portal "Flüchtlingshilfe" der Diözese Rottenburg-Stuttgart



ARD-Onlineportal für Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer

"Erste Schritte für Flüchtlinge", "Important to know when you are in Germany", Nachrichten in Englisch und Arbabisch einerseits und ein "Bilderwörtbuch für Flüchtlinge", gute Ideen, Ansprechpartner, Hinweise und Hintergrundinformationen für Flüchtlingshelfer andererseits - diesen gut aufbereiteten Service bietet ein Onlineportal der ARD.
 Flüchtlingshilfe-Onlineportal der ARD



Plattform für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

Ehrenamtliche, die sich für Flüchtlinge engagieren, finden auf einer Homepage der Landesregierung Arbeitshilfen, Adressen und Tipps sowie Beispiele aus der baden-württembergischen Flüchtlingshilfe. Ein kostenloser monatlicher Newsletter versorgt Interessierte fortlaufend mit aktuellen Infromationen.

 Online-Plattform ehrenamtliche Flüchtlingshilfe


Katholiken in Deutschland

Eine differenzierte und otientierende Positionierung zur aktuellen Situation haben die rund 300 Katholik/innen verfasst, die im Spetember zum Gesprächsprozess der Deutschen Bischöfe zusammenkamen.
"Flüchtlinge schützen - den gesellschaftlichen Zusammenhalt wahren"



Link-Tipps

Knowhow, Vernetzungs- und Zuschussmöglichkeiten und anderes Nützliches für das Engagement für Flüchtlinge findet sich auf diversen kirchlichen Homepages:
in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

bundesweit in der Linksammlung des Zentralkomitees deutscher Katholiken

in der Nachbardiözese Freiburg

bei den evangelischen Landeskirchen