Interview mit dem Vorsitzenden des Finanzausschusses


Weil zum 1. Januar das neue Verfahren zum Abzug der Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer in Kraft tritt, erhalten derzeit Bankkunden wieder Informationen zur Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer. Der Vorsitzende des diözesanen Finanzausschusses, Diözesanrat Werner Krahl, erklärt, worum es geht.

Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer – geht es auch mit weniger Wortungetüm?
Leider nein. Aber vielleicht mögen Sie das Wortungetüm lieber, wenn Sie seine Botschaft hören: Sie zahlen die acht Prozent Kirchensteuer nicht auf Ihr Kapital, auch nicht auf den Zins, sondern nur auf die Steuer, die der Staat mit 25 Prozent auf Ihre Zinsen erhebt. Ich gebe Ihnen nachher gern noch ein Rechenbeispiel.

Herr Krahl, was kommt mit dem neuen Verfahren auf die Bankkunden zu?
Weniger Arbeit. Bisher mussten Kirchensteuerzahler selbst aktiv werden, um die Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer abzuführen. Jetzt machen das die Finanzinstitute direkt, außer Sie legen einen Sperrvermerk ein und veranlassen die Veranlagung weiter selbst. – Dass es nicht um eine neue oder höhere Kirchensteuer geht, dürfte inzwischen bekannt sein.

Finden Sie die Kirchensteuer gerecht?
Die Kirchensteuer ist solidarisch, und das finde ich großartig: Wer hat, gibt, damit alle teilhaben können. Das ist echt christlich.
Und ja, die Kirchensteuer ist gerecht. Dafür ist das neue Abzugverfahren das beste Beispiel. Es macht zum einen noch mal deutlich, was auch bisher schon galt: nicht nur steuerpflichtige Arbeitnehmer und Selbständige helfen mit, die Aufgaben der Kirche zu finanzieren, sondern auch steuerpflichtige Kapitalanleger. Noch gerechter wird es jetzt, weil vielleicht bisher doch der eine oder andere versäumt hat, die Veranlagung zu beantragen oder seiner Bank einen entsprechenden Auftrag zu erteilen.

Heißt das, dass Sie mit beträchtlichen Mehreinnahmen rechnen?
Wir können das im Moment gar nicht einschätzen. Vermutlich sind viele unserer Kirchenmitglieder  ohnehin nicht betroffen, weil Kapitalertragsteuer erst anfällt, wenn Sie über 801 Euro Zinsen im Jahr einnehmen:
Wer 100.000 Euro anlegt und dafür 1.000 Euro Zins im Jahr bekommt, muss davon nach Abzug des Freibetrags von 801 Euro noch 199 Euro versteuern. Da Kapitalerträge mit 25 Prozent besteuert werden, fließen somit 50 Euro an den Staat. 8 Prozent dieses Betrags, gerade mal 4 Euro, zahlt ein Kirchenmitglied in diesem Fall an Kirchensteuer.
Übrigens werden wir nicht exakt beziffern können, wie sich das neue Einzugverfahren auf die Einnahmen auswirkt, weil wir, kurz gesagt, diese Kirchensteuerart nur bedingt aus den anderen Einkommensteuerarten herausfiltern können.

Erklären Sie in einem Satz, warum Sie selbst überzeugter Kirchensteuerzahler sind.
Weil die Kirchensteuer in unserer Diözese Millionen von Menschen zugute kommt: dem Kindergartenkind, dessen Kita hohe Qualitätsstandards erfüllt, dem Jugendlichen, der in einer tollen Jugendfreizeit Gemeinschaft erlebt, dem Hochzeitspaar, das seine Trauung in einer unserer wunderschönen Kirchen feiert, dem Manager am Rand des Burnout, der in der Psychologischen Beratung Hilfe findet, dem Langzeitarbeitslosen, der mit Hilfe unserer Aktion Martinusmantel wieder ins Erwerbsleben findet, oder den Kranken, die von der Krankenhausseelsorgerin begleitet werden, und ... und ... und.