Zukunftssorgen trotz hoher Kirchensteuereinnahmen

Diözesanrat stellt Jahresrechnung 2016 fest


Bezahlbare und nachhaltige Wohnkonzepte müssen dringend entwickelt und verwirklicht werden, findet der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart. Deshalb stellt er ein Viertel des Jahresüberschusses 2016 dafür bereit. Außerdem profitieren die Bereiche Eine-Welt und Flüchtlingshilfe, Katholische Schulen und die Alterssicherung der kirchlichen Mitarbeiter.



Über die Verwendung von 43,7 Millionen Euro Jahresüberschuss aus dem Haushaltsjahr 2016  hat der Diözesanrat am 17. November im Kloster Reute entschieden. Er folgte dem Vorschlag des Finanzausschusses und des Bischöflichen Ordinariats, vor allem bezahlbare und innovative Wohnkonzepte entwickeln zu helfen, die Eine-Welt-Arbeit und die Flüchtlingshilfe sowie die Katholischen Schulen in der Diözese sowie die Versorgungssicherung der diözesanen Mitarbeiter mit zusätzlichen Mitteln auszustatten. In Bad Mergentheim dürfen sich die Maria-Hilf-Internatsschüler auf eine Sanierung ihrer Zimmer freuen.

„Mit diesen Entscheidungen kommt unser Jahresüberschuss konkreten Menschen zugute, sozial Benachteiligten bei uns und in armen Ländern, Schülern und Arbeitnehmern. Soziale Stabilisierung und Bildung sind eine Investition in eine bessere Zukunft,“ sagte Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn. Konkret stellt der Diözesanrat 10,9 Millionen Euro bereit, um bezahlbare und nachhaltige Wohnkonzepte zu fördern. Eine ausschussübergreifende Arbeitsgruppe hat eine Konzeption vorbereitet, die in den kommenden Monaten vom Bischöflichen Ordinariat ausgearbeitet wird. Weitere 10,9 Millionen stärken den Bereich der Flüchtlings- und Eine-Welt-Arbeit: 7,9 Millionen Euro kommen geflohenen Menschen im In- und Ausland zugute. 3 Millionen Euro fließen in die Stiftung Weltkirche. 7,4 Millionen Euro erhält die Schulstiftung. 3,5 Millionen Euro dienen der Sanierung des Internats Maria Hilf in Bad Mergentheim. Weitere knapp 10,9 Millionen Euro legt die Diözese für die Altersversorgung ihrer Angestellten und Beamte zurück.

Ausblick: Kirchensteuer und Mitgliederzahlen
Für die Haushalte 2019 und 2020, die der Diözesanrat im November 2018 beschließt, hat der Finanzausschuss bereits im Oktober die Eckdaten festgelegt. Vorbehaltlich einer stabilen Wirtschaftslage geht er in den beiden Jahren von einem Kirchensteuerzuwachs von je 1 Prozent aus und hat eine Personalkostensteigerung von 3 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahr einkalkuliert.

Sorge macht den Delegierten neben konjunkturellen Unwägbarkeiten vor allem die rückläufige Katholikenzahl. „Wir sehen einen Schwerpunkt der Austritte im Alterssegment der Katholiken in der beruflichen und damit finanziellen Etablierungsphase. Dazu kommt, dass unsere treuen Kirchensteuerzahler jetzt in das Rentenalter hineinwachsen. Das trifft uns natürlich zuallererst als Glaubensgemeinschaft. Als Wächter der Finanzen müssen wir jedoch auch auf die finanziellen Auswirkungen hinweisen“, erläuterte der Finanzausschussvorsitzende Werner Krahl. Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn betonte, der finanzielle Beitrag der Kirchenmitglieder sei die Basis für die spirituellen und diakonischen Angebote der Kirche. Er wünsche sich sehr, dass viele Gläubige auch in Zukunft mit ihrer Kirchensteuer diese für die Gesellschaft wichtige Gestaltungskraft ermöglichten.

Der Leiter der Hauptabteilung „Finanzen und Vermögen", Dietmar Krauß, wies darauf hin, dass die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel auch für zukunftsweisende Entwicklungen beispielsweise im Rahmen des Prozesse „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ eingesetzt würden. Dies mache ihn zuversichtlich. In der kommenden Woche wird die Hauptabteilung Finanzen und Vermögen den zweiten Teil des Jahresberichts der Diözese „Fakten und Facetten“ vorlegen. Er enthält Finanzzahlen und Statistiken der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie anschauliche Beispiele, was die Kirchensteuer für die Menschen in der Diözese bewirkt. Auf der  Homepage der Diözese wird „Fakten und Facetten“ ab Dienstag abrufbar sein.