Zukunft Gemeinde

Diözesanrat berät über zukünftige Leitung der Kirchengemeinden


Wie die Leitung katholischer Kirchengemeinden in Württemberg in Zukunft gestaltet werden kann, hat der Diözesanrat bei einem Studientag beraten. Weniger Priester, Ehrenamtliche, die nicht nur mitarbeiten, sondern auch Leitungsverantwortung übernehmen wollen, und neue Beteiligungsformen im gesellschaftlichen Umfeld erfordern Änderungen.



Rottenburger Modell
Einig waren sich die rund 90 anwesenden ehrenamtlichen Delegierten mit der Diözesanleitung, dass die derzeitige Praxis der Diözese eine tragfähige Grundlage ist. Das „Rottenburger Modell“, Ende der 1960er Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelt, gibt vor, dass auf Diözesan-, Dekanats- und Gemeindeebene und in allen Belangen Geistliche und gewählte ehrenamtliche Gläubige gemeinsam leiten. Daran wollen die württembergischen Katholiken festhalten. Bischof Gebhard Fürst wies darauf hin, „dass die demokratische Legitimierung unserer Kirchengemeinderäte gerade in der heutigen Zeit und in unserem Kulturkreis einen entscheidenden Unterschied macht“. Allerdings zeigt die Auswertung von Gemeindevisitationen, dass das bewährte Modell an seine Grenzen kommt, nicht zuletzt weil es von der Leitung einer Kirchengemeinde durch einen Pfarrer ausgeht. Inzwischen leitet ein Pfarrer aber eine Seelsorgeeinheit, die aus mehreren Gemeinden besteht. Außerdem zeigt sich, dass häufig Verwaltungsthemen die Beratungen bestimmen und pastorale Themen ins Hintertreffen geraten.

Virtuelle Leitung ist keine Leitung
Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn forderte, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass Priester in Leitungsfunktionen weniger werden. „Eine virtuelle Leitung ist nicht nur keine, sie schadet sogar, weil sie etwas vorgibt, was der Realität nicht standhält“, mahnte Warmbrunn. Leitung in größeren Räumen müsse anders konzipiert werden als in überschaubaren kleinen Gemeinschaften. Warmbrunn forderte „eine intelligente Gestaltung des Miteinanders von Haupt- und Ehrenamt“ und lobte die grundsätzlich gute Arbeitsatmosphäre zwischen Priestern, Diakone und Laien in der Diözese.

Kontroverse
Kritisiert wurde Bischof Gebhard Fürst für seine Antwort vom 11. Juli auf die Unterschriftensammlung der Initiative „pro concilio“ für die Weihe sogenannter viri probati, also verheirateter Männer. Der Äußerung des Bischofs, viri probati seien nicht zielführend, hielten Delegierte entgegen, die kirchlichen Grunddienste müssten gesichert werden und dies sei etwa bei der Eucharistie nur durch Priester möglich. „Wenn Grunddienste nicht mehr ausgefüllt werden, sterben Gemeinden“, appellierte ein Mitglied des Diözesanrats. Bischof Fürst erläuterte seine Haltung: Er wolle einer Kirche vorbauen, in der es mehr Funktionäre als Gläubige gebe. „Den Gegenwind aus der Gesellschaft werden wir nur mit lebendigen Kirchengemeinden und neben den Hauptamtlichen mit engagierten getauften und gefirmten Christen bestehen.“ Aus der versorgten müsse eine sorgende Gemeinde mit lebendigem Glauben werden. Er wolle mithelfen, dass Gemeinden dazu befähigt und gestärkt würden.

Konkrete Ideen werden weiterverfolgt
Intensive Beratungen in Kleingruppen und im Plenum führten zu dem Ergebnis, dass das „Rottenburger Modell“ theologisch und rechtlich stimmig und zeitgemäß ist, aber an die Seelsorgeeinheiten angepasst werden soll. Außerdem sollen offenere Formen der Beteiligung der Gläubigen entwickelt und Verantwortung und Aufgaben breiter verteilt werden. Vorgeschlagen wurden Mitwirkungsformen unterhalb der Kirchengemeinderäte, etwa in Ausschüssen, ein Ausbau der hauptberuflichen Verwaltung, die Einbindung ehrenamtlicher Verantwortungsträger in die Dienstbesprechungen des hauptberuflichen Pastoralteams und die Möglichkeit, im ehrenamtlichen Vorsitz der Kirchengemeinderäte Tandems zu bilden. Außerdem plädierten die Diözesanräte dafür, die Ausbildung der Dienste und Ämter stärker auf Leitungs- und Teamfähigkeit auszurichten und Ehrenamtliche in ihrer Leitungsfunktion zu schulen und zu begleiten. Der Pastoral- und der Satzungsausschuss des Diözesanrats und die Diözesanleitung werden in den kommenden Monaten an Möglichkeiten der Umsetzung dieser Vorschläge weiterarbeiten.