Schüler reden Europa ins Gewissen

Glückwunsch an die Gewinner des Martinuswettbewerbs


Den ersten Preis des Schülerwettbewerbs "Was Martin uns Europäern heute sagen würde" hat der Diözesanrat am 11. Mai im Landtag ausgezeichnet. "Mit ihren sozialkritischen Reflexionen reden die Jugendlichen uns Europäern mitten aus dem Leben heraus ordentlich ins Gewissen", sagt der Initiator des Wettbewerbs, Harald Hellstern vom Europaausschuss.



Gut 90 Schüler aller Schularten haben bei einem Wettbewerb des Diözesanrats und der Hauptabteilung Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart kreativ die Frage beantwortet: „Was würde der heilige Martin uns Europäern heute sagen?“ Da Ministerpräsident Winfried Kretschmann Schirmherr des Wettbewerbs ist, wurde am 11. Mai im Landtag der erste Preis verliehen und eine Auswahl der 22 eingereichten Beiträge gezeigt. Die weiteren Gewinner werden im Beisein des Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst am 12. Mai in der Diözesanratssitzung im Kloster Schöntal ausgezeichnet. Teilnehmen konnten alle Schüler im württembergischen Landesteil ab der neunten Klasse.

► Zu den Preisträgern


„Die Schüler haben den vor 1700 Jahren geborenen Martinus mühelos in unser Europa hinein sprechen lassen. Dass die Nächstenliebe im Mittelpunkt der 22 Beiträge steht und die Schüler große politische Probleme wie die Fluchtbewegungen oder die Besetzung der Krim im Blick haben, gleichzeitig aber immer aufzeigen, dass jeder Mensch zum Zusammenleben in der Gesellschaft etwas beitragen kann, das freut mich besonders“, erklärte Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats. "Eindrücklich fordern die Schüler die Einhaltung der Menschenrechte ein", lobte Harald Hellstern.

Laut Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, Leiterin der diözesanen Hauptabteilung Schulen, zeigte der Wettbewerb, „dass heutige Jugendliche sich auf religiöse und politische Themen einlassen – quer durch alle Schularten in staatlicher und freier katholischer Trägerschaft“, erklärte Augustyniak-Dürr. Beteiligt waren Gymnasien, Gemeinschafts- und Realschulen, Berufliche Schulen, eine Schule für hörgeschädigte und sprachbehinderte Schüler und ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum.

Jurymitglied Herbert Rommel, Professor für Katholische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, lobte die Vielfalt der Beiträge. Die Schüler hatten politische Reden, Filme, Musik, Kunstwerke, fiktive historische Briefe, einen Whatsapp-Chat, Präsentationen und Gedichte eingereicht. Markant sei, dass die aktuelle Situation von Geflüchteten und Migranten die Schüler stark beschäftige, so Rommel. In diesem Zusammenhang hätten sie viele Bezüge „zur Figur und zum Vorbild Martins gesucht und gefunden“. Rommel bezeichnete es als auffallend, dass die Mantelteilung des Martin von Tours zentrales Motiv der Schülerarbeiten ist. „Offensichtlich ist es die Mantelteilung, die sich in unser kulturelles Gedächtnis eingegraben hat“, so Rommel. Demgegenüber sei die herrschaftskritische Haltung des Heiligen oder seine spirituelle Dimension kaum vorgekommen. Auch „kritische Stimmen, etwa zum Umgang Martins mit heidnischen Kulten, kamen nur vereinzelt vor“.

Den ersten Preis ...

gewannen Carla Hilgarth, Clara Jakob und Freya Michl vom Salvatorkolleg Bad Wurzach mit einem Video, in dem sie eine moderne Version der Mantelteilung spielen, eine Tafel-Mitarbeiterin interviewen und selbst Stellung zur Nächstenliebe beziehen.

Der zweite Preis ...

ging an sechs Schüler der Martinus Schule der Stiftung Lindenhof in Schwäbisch Gmünd. Die teils schwer mehrfach behinderten Jugendlichen haben ein Hochwasserszenario nachgespielt und als Video aufgezeichnet. Der augenzwinkernde Clou der Geschichte: Der heilige Martin holt gleichsam aus dem Jenseits mittels einer SMS Hilfe für die Hochwasseropfer.

Den dritten Preis ...

teilen sich sechzehn Schüler der Sechta-Ries-Schule in Unterschneidheim, die aus Schlagzeilen Gedichtcollagen kreiert haben, mit einem Schüler des Bischof-Sproll-Bildungszentrums in Biberach. Auf dessen Bildcollage zerteilt der heilige Martin mit seinem Schwert den „Nato-Stacheldraht“, der die Grenzen Europas gegen Flüchtlinge abschottet.

Einen Zuschuss in die Klassenkasse ...

erhalten außerdem Schüler der Franz-von-Sales-Mädchenrealschule in Obermarchtal, der Lindenparkschule in Heilbronn, des Montfort-Gymnasiums in Tettnang, des Salvatorkollegs in Bad Wurzach, des Salzach-Gymnasiums in Maulbronn und des Gymnasiums in Korntal-Münchingen.


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