Diözesanrat im "Netzwerk Diakonat der Frau"

Interview


"Eine unvoreingenommene Hebung der Schätze der Kirchengeschichte wird zeigen, dass Frauen als Diakoninnen und Äbtissinnen Weiheämter innehatten und dass wir in Treue zur römisch-katholischen Tradition hieran anknüpfen können", sagt Diözesanrat Maria Berger-Senn im Interview zu der von Papst Franziskus angeregten Kommission zum Diakonat der Frau.



Frau Berger-Senn, dass der Diözesanrat dem „Netzwerk Diakonat der Frau“ beigetreten ist, geht auf Ihren Anstoß zurück. Wie kam das?
Durch die aktuelle Papstäußerung war das Thema „Diakonat der Frau“ im letzten Plenum des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ und auf dem ganzen Katholikentag Ende Mai in Leipzig sehr präsent. Die Vorsitzende des Netzwerks, Irmentraud Kobusch, hatte im Plenum des ZdK auf die Mitgliedschaft zweier diözesaner Räte hingewiesen und diese zur Nachahmung empfohlen

Was tut das „Netzwerk Diakonat der Frau“?
Das Netzwerk setzt sich ein für die Einführung des sakramentalen Ständigen Diakonats für Frauen in der römisch-katholischen Kirche sowie für eine diakonische Kirche, in der Männer und Frauen gemeinsam den Dienst Christi an den Menschen leben. Es unterstützt zum Diakonat berufene Frauen, steht im Kontakt zu gleichgesinnten Organisationen im In- und Ausland, hat bereits zwei „Diakonatskreis“ genannte Ausbildungskurse für Frauen durchgeführt und plant aktuell den dritten Kurs. So stehen im Falle einer positiven Entscheidung sofort geeignete und ausgebildete Frauen für dieses Amt zur Verfügung. Das Netzwerk fördert darüber hinaus die Feier des jährlichen Tags der Diakonin am Fest der heiligen Katharina von Siena und stellt Informationen und Arbeitsmaterialien zur Verfügung.

Was erhoffen Sie sich von der Ankündigung des Papstes, eine Kommission einzusetzen, die vor allem die Rolle der Frauen in der frühen Kirche untersuchen soll?
Eine unvoreingenommene Hebung der Schätze der Kirchengeschichte wird zeigen, dass Frauen als Diakoninnen und Äbtissinnen Weiheämter innehatten und dass wir in Treue zur römisch-katholischen Tradition hieran anknüpfen können. Der Begriff „katholisch“ heißt ja „umfassend“ – wir erfüllen den Anspruch dieses Begriffs nur, wenn wir ihn nicht nur geographisch, sondern auch zeitlich, kulturell und auf beide Geschlechter bezogen verwenden. Prof. Hubert Wolf (Münster) hat bereits viele Schätze gehoben – seine Forschungen können nun fruchtbar werden.

Frauen übernehmen jetzt schon den Großteil der karitativen Arbeit in der Kirche. Was ändert sich, wenn manche von ihnen zu Diakoninnen geweiht werden?

Wie in der Gesellschaft so gibt es auch in der Kirche eine gewisse Geringschätzung des diakonischen Handelns gegenüber anderen Tätigkeiten, parallel dazu von traditionell weiblichen gegenüber männlichen Berufen. Innerkirchlich ist das die Verbindung von Leitungsfunktionen in der Liturgie mit Entscheidungsfunktionen im Rahmen der Institution, gesellschaftlich ist das z. B. die geringe Entlohnung von sozialen und pflegerischen Berufen. Eine Weihe von Frauen zu Diakoninnen würde sowohl der Wertschätzung und Sichtbarmachung dieser Leistung dienen, es würde aber auch den Wert des Diakonischen neben den anderen Funktionen der Kirche (Liturgie, Martyria) im Sinne von Papst Franziskus herausheben. Das Ansehen der römisch-katholischen Kirche wird in den nächsten Jahren weltweit davon abhängen, ob sie die Menschenrechte und damit die gleichen Rechte von Frauen und Männern, glaubwürdig nach innen und außen vertritt. Frauen werden in vielen Ländern der Welt als Menschen zweiter Klasse behandelt und deswegen vorgeburtlich eleminiert, benachteiligt, bevormundet und männlicher Gewalt ausgesetzt. Hier sollte man sich eindeutig positionieren und keine falschen Koalitionen eingehen.

Sie sind gerade wieder, zusammen mit Paul Magino und Daniel Noa, vom Diözesanrat in das Zentralkomitee deutscher Katholik/innen gewählt worden – welche drei Themen sind Ihnen dort für die kommende Amtszeit am wichtigsten?

Es gibt natürlich viel mehr als drei wichtige Themen, für die Kirche erscheinen mir z. B. folgende Themen besonders entscheidend:
- die Stärkung der Ortskirchen und ihre Befreiung von römischer Gängelung im Sinne der synodalen und subsidiären Grundstruktur des Katholischen – dazu gehört die Lösung des offenen Konflikts um Donum Vitae,
- die konsequente Realisierung der Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils und der Würzburger Synode – dazu gehört das Priestertum aller Gläubigen und die Sensibilisierung für die „Zeichen der Zeit“,
- die Hebung der Schätze unserer 2000jährigen Geschichte, um im 21. Jahrhundert national und global die Situation der Menschen zu verbessern – dazu gehört die katholische Soziallehre.


 Netzwerk Diakonat der Frau