Missbrauch, Finanzen, Katholikentag

Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie und Haushaltsthemen beschäftigten den Diözesanrat in seiner Haushaltssitzung.

Der Finanzausschussvorsitzende der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Werner Krahl und Generalvikar Clemens Stroppel besprechen den Haushaltsplan 2019/20 mit dem Leiter und Mitarbeitern der Hauptabteilung Finanzen und Vermögen, Dietmar Krauß, Frank Fischer und Erhard Ritter.

Gut hinhören, gemeinsam nachdenken - Laien, Kleriker und Ordensangehörige beraten im Diözesanrat ohne Trennlinie.

Katholikentag 2022 in Stuttgart

Der Diözesanrat begrüßte ausdrücklich, dass der Katholikentag 2022 in Stuttgart stattfindet und dass das Land Baden-Württemberg die Stadt Stuttgart dieses Ereignis grundsätzlich unterstützen. Der Diözesanrat hat einen finanziellen Förderbeitrag für die Vorbereitung des Katholikentags in Höhe von 1,3 Millionen Euro aus dem Diözesanhaushalt bewilligt. Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn sagte: „Die schöne, gastfreundliche und weltoffene Landeshauptstadt Stuttgart bietet ausgezeichnete Bedingungen, die in Gottes Schöpfung angelegte Vielfalt mit Menschen aus 170 Nationen zu feiern. Sowohl die Region Stuttgart als auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart leisten Beispielhaftes im Miteinander der Kulturen und Religionen. Es legt sich nahe, mit den Gästen und mit allen Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern über Fragen – auch kritische und bedrückende Fragen – der Religion, der Integration, über Gerechtigkeit und Frieden ins Gespräch zu kommen.“

Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie

In seiner Haushaltssitzung vor dem ersten Advent hat der Diözesanrat auch über Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie beraten. Bis zu seiner nächsten Sitzung im März 2019 werden der Diözesanrat und seine Ausschüsse weitere Ansätze erarbeiten, um die von Bischof Gebhard Fürst seit dem Jahr 2002 entschieden und mit Überzeugung institutionalisierte Praxis von Aufklärung, Wiedergutmachung und Prävention weiter zu optimieren. Benannt wurde unter anderem die aktive Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, beispielsweise durch die konsequente Sichtung von Akten in kirchlichen Einrichtungen und religiösen Gemeinschaften. Auch die diözesane Kommission sexueller Missbrauch, der das Gremium ausdrücklich seine Anerkennung ausgesprochen hat, muss nach Ansicht der Katholikenvertretung weiterentwickelt werden. Dabei geht es um Fragen einer deutlicheren Eigenständigkeit, einer fachlichen Stärkung sowie einer möglichen Auditierung. Im Austausch mit sachkompetenten Einrichtungen wollen die Delegierten die bisherigen Überlegungen präzisieren und in konkrete Empfehlungen an die Diözesanleitung fassen. Auch inwiefern kirchliche Strukturen verändert werden müssen, damit sie Missbrauch nicht länger systemisch erleichtern oder begünstigen, soll bis März in klare Vorschläge gefasst werden.

Beschlossen hat der Diözesanrat die Finanzierung von Präventionsfortbildungen mit 555.000 Euro für die kommenden beiden Jahre. Im Haushhaltsplan sind Maßnahmen in den unterschiedlichsten Bereichen verankert – angefangen von der beim Generalvikar angesiedelten Stabsstelle Prävention über die Erarbeitung von Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie im Priesterrat bis zur dauerhaften Einbindung von Präventionsmaßnahmen und -schulungen etwa in den Bereichen Schulen, Konvikte und Internate sowie Caritas.

Kirchensteuer und Haushalte

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart entscheidet der Diözesanrat in seiner Funkton als Kirchensteuervertetung über die Verwendung der Kirchensteuer und den Diözesanhaushalt. Dieser verzeichnet für das jetzt abgeschlossene Haushaltsjahr 2017 einen Überschuss von 23,6 Millionen Euro. Damit fördert der Diözesanrat Familien, Katholische Schulen und Initiativen der Flüchtlingshilfe im Land und weltweit. Im Bereich der Kirchengemeinden kann auf Grund eines entsprechenden Überschusses aus 2017 deren gemeinsame Rücklage um 18 Millionen Euro aufgestockt werden. Für gemeinsame Aufgaben und die Bezuschussung besonderer Investitionen legen sie 5,8 Millionen Euro in der Rücklage Ausgleichstock zurück.
Wer bekommt wie viel vom Jahresüberschuss aus dem Diözesanhaushalt?

Der Diözesanrat rechnet in den kommenden beiden Jahren mit einem Kirchensteuerplus von je einem Prozent und legt seinen Finanzplanungen ein Nettokirchensteuereinkommen von 558,6 Millionen Euro für das Jahr 2019 und von 561,3 Millionen Euro im Jahr 2020 zugrunde. Nach Abzug der Vorwegausgaben für überdiözesane und gesamtdiözesane Aufgaben verbleibt ein verteilbares Aufkommen von 522,8 bzw. 524,2 Millionen Euro, das sich Diözesanhaushalt und Kirchengemeinden jeweils hälftig teilen. In den Diözesanhaushalt fließen außerdem neben anderen kirchlichen Einnahmen rund 12 Prozent öffentliche Mittel.  Der Haushalt hat ein Volumen von rund 403 Millionen Euro. Die Kirchensteuerzuteilung in die Haushalte der Gemeinden und in die Budgets des Bischöflichen Ordinariats wird in beiden Jahren mit je plus 3,5 Prozent fortgeschrieben.

Freuen dürfen sich finanzschwache Orte: „Kleine Gemeinden werden überdurchschnittlich gefördert: Die Mindestausstattung einer Kirchengemeinde, die sogenannte Sockelgarantie, wird in den kommenden zwei Jahren um jeweils fünf Prozent erhöht und mit weiteren Einmalbeträgen in Höhe einer halben Million Euro in 2019 und einer Million in 2020 ausgestattet“, erklärte Generalvikar Clemens Stroppel. Auch die Zuschüsse, die kleine Gemeinden für ihre Kindergärten bekommen, werden um je 5 Prozent erhöht. Außerdem setzt die Diözese ihre 2012 begonnene Förderung einer hochwertigen Betreuung für unter-dreijährige Kinder fort, ebenfalls mit einer Erhöhung von 5 Prozent.

Einig sind sich die Finanzverantwortlichen im Diözesanrat über die Verantwortung ihrer wohlhabenden Diözese: „Geld ist nur dann gut, wenn es guten inhaltlichen Konzepten folgt, die wiederum den Menschen in ihren Nöten und Bedürfnissen bestmöglich dienen“, formulierte der ehrenamtliche Finanzausschussvorsitzende Werner Krahl bei der Pressekonferenz zur Haushaltssitzung. Der Leiter der Hauptabteilung „Finanzen und Vermögen“ des Bischöflichen Ordinariats, Dietmar Krauß, sagte: „Die Finanz- und Haushaltspolitik soll kirchlich geprägt bleiben und längerfristig orientiert die kirchliche Aufgabenerfüllung mit ermöglichen. Die Finanzen sollen besonders die Seelsorge und weitere pastorale und karitative Bereiche mit ermöglichen.“
So sehen die Finanzplanungen 2019/2020 konkret aus

Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn dankte allen Kirchensteuerzahlern und Spendern in der Diözese. Er betonte: „Bei allem, was uns an unserer Kirche zweifeln oder verzweifeln lässt, sollten wir im Blick behalten, welchen Auftrag diese Kirche hat. Sie soll die Freude am Glauben an Gott wecken und erhalten. Sie leistet viel mit ihrer politischen Anwaltschaft und ihren sozialen Angeboten für den Zusammenhalt und das menschliche Miteinander in unserer Gesellschaft. Dies alles ist nur durch die Kirchensteuer möglich.“